Dauerwelle

Dauerwelle – ein Klassiker unter den Frisuren

Unsere Auszubildende zeigt Euch in diesem Beitrag wie eine Dauerwelle entsteht und welche Arbeitsschritte dazu nötig sind. Die Dauerwelle zählt zu den Klassikern und Evergreens der Frisuren. Die Methode zur Umformung des Haares wurde bereits 1906 vom deutschen Friseur Karl Ludwig Nessler entwickelt und 1910 zum Patent angemeldet.

Beratungsgespräch

Bevor die Umformung des Haares beginnen kann führen wir ein ausführliches Beratungsgespräch. Unsere Kundin wünscht sich Haare mit etwas mehr Volumen und natürlich einige Locken und Wellen. Zusätzlich wünscht Sie sich, daß Ihr Pony vorne glatt und somit lockenfrei bleibt. Der Look soll natürlich möglichst natürlich fallen. Nach einer Übereinkunft auf die richtige Größe der Locken kann es nun losgehen mit unserer Dauerwelle.

Haarwäsche und Haaranalyse

Zunächst wasche ich die Haare unserer Kundin sehr gründlich mit einem Reinigungs-Shampoo, um hier Rückstände von Haarpflege- und Styling-Produkten zu entfernen. Ein Dehnungstest der Haare weist auf einen Keratinmangel hin. Das Haar ist recht dünn und empfindlich. Eine Keratin-Kur wird aufgetragen und in die Haare einmassiert. Ich wiederhole nun den Dehnungstest und wende gegebenenfalls die Keratin Kur erneut an. Durch die Kur wird das Haar von innen heraus gestärkt. Nach einer kurzen Einwirkzeit wird das Haar nun gründlich ausgespült und das Haar  frottiert (handtuchtrocken).

Nach dem Waschen wird die Kundin wie üblich zum Frisierplatz geleitet und durch einen Umhang geschützt. Zusätzlich lege ich Ihr ein Handtuch um Ihre Schulterpartie, denn das Haar ist noch feucht und tropft noch nach.

Die Wicklung der Dauerwelle

Kopfmitte

In einem ersten Arbeitsschritt wird das Haar glatt gekämmt und der Pony mit einem Zick-Zack-Scheitel abgeteilt. Dies ist wichtig um später den Pony mit der Dauerwelle harmonisch zu verbinden. Nun teile ich mir das übrige Haar in Passee`s auf – vom Grundprinzip in einen mittleren Bereich sowie eine rechte und eine linke Hälfte. Ich beginne nun im Mittelsegment mir  mit einem Stielkamm eine cirka 1 cm breite Abteilung senkrecht nach oben zu heben. Um die Haarspitzen zu schützen und als Wickelhilfe lege ich um die Haarspitzen ein Spitzenpapier. In der linken Hand halte ich nun das Passee inklusive des Spitzenpapieres stramm und fest. Mit der rechten Hand führe ich einen grauen Locken-Wickler zu den Haarspitzen und wickel nun das Haar mit Drehbewegungen in meine Richtung ein. Wenn ich mit dem Wickler am Haaransatz ankomme fixiere ich den Wickler mit einem Gummi, damit dieser nicht verrutscht. Diesen Vorgang wiederhole ich im abgeteilten Mittelsegment nun solange bis ich im Nacken angekommen bin. Dabei wechseln sich graue und blaue Dauerwellenwickler mit jeweils unterschiedlichen Durchmessern ab.

Kopfseiten

Es geht nun weiter mit den seitlichen Haaren. Hierbei mußte ich darauf achten, daß ich die Dauerwellenwickler in der richtigen Reihenfolge (Grau/Blau) verwende. Außerdem muß das Haar stets nass, gut durchgekämmt und sauber abgeteilt sein. Puuuhhhhh….  In der Ausbildung bringt einen das ganz schön zum Schwitzen sag ich Euch. Ich hoffe in der Prüfung schaffe ich das alles vernünftig und vor allem in der vorgegeben Zeit. Time is Money – auch im Friseurhandwerk!

Letzte Vorbereitungen vor der Umformung

Nach circa 30 Minuten bin ich mit dem wickeln der Dauerwelle fertig.  Alle Haare sind auf Wickler aufgedreht. Nun muß ich Unterlegstäbchen unter die Gummilaschen schieben, damit später hier keine Bruchstellen durch die Dauerwell-Flüssigkeit im Haar entstehen. Das Gummi zusammen mit der Dauerwellflüssigkeit würde ohne diese Stäbchen ähnlich wie eine Rasierklinge wirken und das Haar stark schädigen unter Umständen sogar komplett abschneiden. Doch bevor ich die Flüssigkeit nun auftragen kann werden die Konturen des Gesichtes mit einer Creme nachgezeichnet. Auf die Creme wird dann ein dünner Wattestreifen aufgebracht, damit die Dauerwell Flüssigkeit nicht in das Gesicht oder in den Nacken läuft.

Nun wird es chemisch

Ich trage die Wellflüssigkeit für poröses und empfindliches Haar tröpfchenweise auf. Dadurch habe ich ein leichteres Spiel durch die Kapillarität des Haares auszunutzen und die Haare vollständig mit Wellflüssigkeit zu benetzen. Schliesslich soll ja die Wellflüssigkeit vom Ansatz bis zu den Spitzen im Haar aufgenommen werden. Nach dem Auftragen lege ich eine Folienhaube über das Haar ,damit die Wellflüssigkeit nicht verdunstet und die Wellfüssigkeit durch die Körperwärme der Kundin schnell reagieren kann. Ohne Verwendung zusätzlicher Wärme (Haube/Fön/Klimazonen) beträgt die Einwirkzeit circa. 5 bis 10 min. Den Geruch der während der Einwirkzeit entsteht ist nicht gerade angenehm und für empfindliche Nasen gar ein Graus.

Nun nehme ich die Folienhaube ab, und entnehme mir einen Probe-Wickler, um zu sehen wie die Haare auf die Wellflüssigkeit reagiert haben. Dazu wird der Wickler gelöst, ganz leicht abgedreht und das Haar „geschuppst“. Da noch nicht das gewünschte Locken / Wellen-Ergebnis zu verzeichnen war heißt es nun nochmals 5 Minuten warten.

Ausspülen der Dauerwellen Flüssigkeit

Die Zeit ist um und ich prüfe erneut die Wellenbildung. Diesmal ist alles wie gewünscht und so geht es nochmals zum Waschplatz wo ich die Wellflüssigkeit mit reichlich Wasser ausspüle. Dieser Vorgang nimmt cirka 3 Minuten in Anspruch. Das Haar wird im Anschluss samt Wickler frottiert (Handtuch wird an das Haar gedrückt) und das überschüssige Wasser mit Servietten abgetupft.

Fixieren der Dauerwelle

Zurück am Frisierplatz trage ich die Fixierung auf, damit die Schuppenschicht des Haares geschlossen wird und die Locken / Wellen Sprungkraft und Halt bekommen. Ich beginne diesmal im Nacken und arbeite mich zum Oberkopf und zu den Seiten fort. Es bildet sich dabei ein Schaum der 5 Minuten einwirken muss. Nach weiteren 5 Minuten wiederhole ich diesen gesamten Fixierungsvorgang.

Endspurt – Waschplatz zum Dritten

Ich spüle die Fixierung gründlich aus und entnehme nach und nach vorsichtig die Dauerwickler in dem ich Sie langsam aus dem Haar drehe. Ganz wichtig ist bei diesem Schritt das Haar wie ein rohes Ei zu behandeln und keinesfalls zu dehnen. Bei Bedarf kann jetzt noch eine Kur die nicht ausgespült werden muss aufgetragen werden. Wir Friseure sprechen hier von einer sauren Nachbehandlung bei der das Haar entquollen und adstringiert wird. Eventuell noch vorhandene Reste des Alkalisierungsmittels (Dauerwell-Flüssigkeit) werden neutralisiert. Durch die Haarkur bekommt das Haar Glanz und die Haltbarkeit der Locken / Wellen wird zusätzlich gewährleistet. Das Haar sollte von der Kundin in den nächsten 48 Stunden nicht gewaschen werden damit sich das Keratin im Haar aushärten kann.

Haarschnitt und Styling für den perfekten Look der Locken

Die Dauerwelle selbst ist nun fertig. Nun folgt noch der Haarschnitt und das Frisieren beziehungsweise Styling. Meine Kundin war mit dem Ergebnis und Ihrem neuen Locken Look sehr zufrieden.

Wie Ihr seht ist eine Dauerwelle sehr zeitintensiv und man muss sich schon sehr konzentrieren. Drückt mir die Daumen für meine Zwischenprüfung am Montag – Welches Thema ich da wohl erwischen werde? Ach ja – eine Dauerwelle!

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